Warum Frauen anscheinend gerade die Welt retten

– und sie trotzdem den Männern gehört

Dieser Text ist in unserer Bezirkszeitung, dem Lichtenberger Stachel, erschienen. Die gesamte Ausgabe mit allen Artikeln findest du hier.

Die Corona-Pandemie hat uns innerhalb kürzester Zeit vor Augen geführt, dass Frauen die Welt am Laufen halten–auch bei uns in Lichtenberg. Plötzlich waren sie in aller Munde, doch auch außerhalb von Pandemien wäre unsere Gesellschaft ohne sie nicht funktionsfähig.

In den so genannten systemrelevanten Berufen sind Frauen viel stärker repräsentiert als Männer. Sie leisten 75 Prozent der unverzichtbaren Arbeit in Pflege, Bildung, Einzelhandel und weiteren schlecht bezahlten Berufen. Das ist kein Zufall: Frauen werden in unserer Gesellschaft systematisch unterdrückt.

12 Milliarden Stunden an unbezahlter Arbeit leisten Frauen und Mädchen täglich auf der ganzen Welt. Das entspricht einem Wert von mindestens 11 Billionen Dollar jährlich. Auch in Deutschland leisten Frauen durchschnittlich 52,8 Prozent mehr unbezahlte Pflegearbeit als Männer – sie kümmern sich um Haushalt, pflegebedürftige Angehörige und Kinder. Das geschlechtsspezifische Lohngefälle beträgt über 20 Prozent. Lebenslänglich betrachtet haben Frauen ein durchschnittlich 45 Prozent niedrigeres Einkommen als Männer.

Gleichzeitig sehen wir viele starke Frauen, die als Anführerinnen für eine gerechte und nachhaltige Zukunft kämpfen: z. B. Greta Thunberg und Luisa Neubauer bei „Fridays for Future“ oder Carola Rackete und Pia Klemp, die im Mittelmeer Geflüchtete retten.

Doch das kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass in mächtigen Positionen und Institutionen noch immer meist Männer die Entscheidungen treffen. Bevor sich daran etwas ändert, werden Frauen gesamtgesellschaftlich niemals denselben Einfluss haben. Jahrhundertealte patriarchale Strukturen lassen sich nicht allein durch bejubelte Frauen an der Spitze von Bewegungen oder Applaus für Pflegekräfte aufbrechen. Dafür braucht es eine internationale Bewegung von Frauen, die sich ihren gleichberechtigten Platz in der Gesellschaft erkämpfen.Wir Bündnisgrünen hier in Lichtenberg sind dazu bereit – denn wie unser Motto schon immer lautet: „Die Hälfte der Macht den Frauen!“. Und seid euch sicher, wir werden sie uns erkämpfen.

Die Autorin Jette Nietzard ist Mitglied der Lichtenberger Bündnisgrünen.

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Kreisverband Lichtenberg von Bündnis 90/Die Grünen

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