Bild: Dana, Apothekerin

#systemrelevant: Apothekerin

Dana ist Apothekerin. Sie arbeitet in einem sogenannten systemrelevanten Beruf. Im Interview hat sie mit uns über aktuelle Herausforderungen in der Apotheke und als berufstätige Mutter gesprochen.

Name: Dana
Alter: 36
Beruf: Apothekerin
Arbeitsstunden pro Woche: 30
Gehalt (ggf. übliches oder Durchschnitt von Kolleg*innen): nach Tariftabelle

Bündnis 90/Die Grünen: Zur Bedeutung des Wortes „systemrelevant“: Was wäre, wenn es dich nicht gäbe?

Dana: Ein Leben ohne eine Apotheke vor Ort ist für mich unvorstellbar. Unseren Beruf kann man nicht einfach von zu Hause oder übers Internet ausüben. Wenn es mich oder andere Apothekenmitarbeiter*innen nicht gäbe, dann würde die akute Arzneimittelversorgung vor Ort für die Bevölkerung zum Erliegen kommen.

B90/G: Was magst du an deinem Beruf?

Dana: Ich bin sehr gerne mit Menschen zusammen. In meinem wundervollen Beruf bin ich nah an den Menschen. Es macht Spaß Menschen zu beraten, für sie da zu sein, ihnen Ideen und Hilfen mit auf den Weg zu geben, ihnen Lichtblicke zu verschaffen in einer ärztlichen Diagnose, sie zu versorgen und einfach manchmal nur eine gute Zuhörerin zu sein.

B90/G: Machst du wegen der Corona-Krise aktuell Überstunden?

Dana: Aktuell nicht.

B90/G: Was hat sich sonst noch seit Mitte März für dich bei der Arbeit verändert?

Dana: Wir beraten sehr viel zum Thema Corona, klären unsere Kund*innen auf und versuchen ihnen die Angst zu nehmen. Es ist vielen Menschen nicht bewusst, dass wir seit jeher von Viren umgeben sind. Viren sind an sich nichts schlechtes. Sie haben uns über Millionen von Jahren zu dem gemacht was wir sind.

Wir legen viel Wert darauf, den Menschen das Thema Hygiene zurück ins Gedächtnis zu rufen, da es aktuell große Bedeutung hat. Nicht nur für jede einzelne Person, sondern auch um unsere Risikogruppen vor Infektionen zu schützen. Nichtsdestotrotz müssen wir auch darüber aufklären, dass jede Infektion unser Immunsystem stark macht und man nicht partout gegen virale Krankheiten sein sollte. Unser Immunsystem und gerade das von unseren Kindern braucht diese „Beschäftigung“ um uns robust, widerstandsfähig und zu dem zu machen was wir sind.

Natürlich nehmen wir auch in der Apotheke die Thematik Corona sehr ernst und möchten das Team vor Ansteckung schützen. Daher arbeiten wir aktuell hinter Acrylglasscheiben und mit Handschuhen.

B90/G: Wie erlebst du die Situation in den letzten zwei Wochen?

Dana: Eigentlich wäre ich die letzten zwei Wochen mit einem meiner Kinder auf einer Mutter-Kind-Kur gewesen. Da diese auf Grund von Corona abgesagt wurde und die Dienstpläne in der Apotheke schon standen, hatte ich zwei Wochen Urlaub und habe meine Kinder zu Hause betreut.

B90/G: Was wünschst du dir von Gesellschaft, Politik oder Wirtschaft?

Dana: Einerseits möchten wir verständlicherweise alle Risikogruppen schützen. Anderseits werden meiner Meinung nach aber gerade Familien in dieser Situation vor absolute Herausforderungen gestellt. Menschen ohne Kinder können sich nicht annähernd vorstellen wie es ist, neben einem Beruf die Familie mit Kindern zu managen. Man wird zum ersten Mal durch die soziale Isolation in eine familiäre Situation gedrängt, die es bis jetzt nicht gab. Kinder ohne Schule, Kita und insgesamt ohne Kontakt zu anderen Kindern heißt, dass die Familie dies alles abfedern muss. Das ist nicht einfach, gerade auch in Bezug auf das Erlernen von sozialer Interaktion und dem Umgang miteinander. Kinder brauchen Kinder und nicht nur Erwachsene um sich.

Ich würde mir vor allem wünschen, dass das Thema Online-Schule, wie in den skandinavischen Ländern, so zeitnah wie möglich, viel mehr und intensiver ausgebaut wird. Dafür sollten die Länder zusammenarbeiten und sich Ideen voneinander abschauen.
Zudem sollten Familien mit Kindern mehr bestärkt und gehört werden und Lösungen gefunden werden, um Familien oder auch Alleinerziehende nicht vor die Wahl „Beruf oder Kinder“ zu stellen. Es muss beides gehen, auch in solch einer Ausnahmesituation.

Was die Apotheken betrifft, so werden diese meinem Eindruck nach oft an letzter Stelle gesehen. Wer sieht die Apotheke schon als systemrelevant? Aktuell werden wir häufig „vergessen“ und als selbstverständlich hingenommen. Jeden Tag arbeiten wir mit Menschen, teils gesund, teils krank. Wie schützen wir uns? Viele Apotheken mussten sich selber kümmern, in Eigenregie die Apotheke umzubauen, aktuell eigene Pandemiepläne erstellen, eigene Desinfektionsmittel herstellen oder an Mundschutz gelangen. Und nebenbei ist der Bürokratie-Wahnsinn des Gesundheitssystems zu erledigen und einzuhalten.

Ich fände es gut, wenn es zwischen den Apotheken eine engere Zusammenarbeit gäbe. Ein einheitliches und klar definiertes Vorgehen würde in Zeiten der Pandemie vieles erleichtern. Das WIR muss in solchen Situationen im Vordergrund stehen.

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Kreisverband Lichtenberg von Bündnis 90/Die Grünen

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