15.2.2016: Rummelsburger See bleibt ein Giftloch

Seit Jahren versuchen Umweltpolitiker aus Lichtenberg, Friedrichshain-Kreuzberg und Treptow-Köpenick den Berliner Senat, die Bezirksämter sowie die unterschiedlichsten Interessengruppen rund um den Rummelsburger See auf die Schadstoffbelastung des Sees aufmerksam zu machen. „Jetzt sind unsere Zweifel, für die wir jahrelang belächelt wurden, bitterer Ernst geworden“, sagt Camilla Schuler, Fraktionsvorsitzende der grünen Fraktion Lichtenberg.
Viele Schwermetalle

Der Rummelsburger See ist durch die ehemals angrenzenden Industrien seit den 1880er Jahren über fast ein Jahrhundert durch Abfälle kontaminiert und der Seeboden stark belastet worden. Sogar eine Glasfabrik auf der Stralauer Halbinsel hatte über Jahrzehnte hindurch chemische Abfallstoffe in den See geleitet – Quecksilber ist aus diesen Jahren noch heute im See nachweisbar. Mittlerweile hat sich das Gebiet rund um die Bucht vollständig gewandelt: Statt Industrie wohnen in den Wohngebieten „Rummelsburger Bucht“ und auf der Halbinsel Stralau nun rund 8.000 Menschen. Zwischen 1999 und 2001 fand eine Teilsanierung des Sees statt, bei der die Bucht auch von Sprengstoffgegenständen aus der Zeit des zweiten Weltkriegs gesäubert wurde. Zudem soll seitdem eine Spundwand verhindern, dass Schadstoffe und belastete Sedimente in die Spree gelangen. Eine Studie der FU Berlin („RuBuS-Studie“) weist nun nach, dass die Seesedimente noch immer hoch und flächenhaft mit Schwermetallen und Schadstoffen belastet sind. Die Grenzwerte von Blei, Cadmium, Kupfer, Zinn und Quecksilber werden flächendeckend zum Teil bis zum sechsfachen überschritten – toxische Effekte werden erwartet. Zu deutsch: Der Rummelsburger See ist giftig!

Vor allem der Nord-Westteil des Sees ist davon betroffen. Die belasteten Seesedimente werden auch durch Schiffe immer wieder aufgewirbelt, so dass sich keine unbelastete Sedimentauflage bilden kann. Die Forderungen der Lichtenberger Umweltpolitiker dazu ist eindeutig: Die Fahrgastschiffe sollen vom See verschwinden und neue Steganlagen nicht genehmigt werden. „Auch sollte das Land Berlin darüber nachdenken, den See vom Bund zu erwerben und so den Zustand als Bundeswasserstraße zu beenden, der nicht notwendig ist. Bisher war der Senat dazu nicht bereit“, so Sascha Clucas, umweltpolitischer Sprecher der grünen Fraktion und Mitglied des Runden Tisches Rummelsburger See. Camilla Schuler, die Fraktionsvorsitzende der Lichtenberger Grünen ergänzt: „Wir vermissen seit Jahren bei den Zuständigen eine Idee und ein Konzept, wie der See wieder zu seinem ursprünglichen Zustand zurückkehren kann. Man muss ja nicht gleich morgen baden können, aber wie das gelingen kann, sollte man schon wissen. Die Fakten müssen deshalb endlich auf den Tisch: Was würde eine Komplettsanierung kosten und welche Möglichkeiten ergeben sich durch Schadstoff ziehende Pflanzen?“ Zu den kompletten Sanierungskosten des Sees wird seit einigen Jahren die ungeheure Summe von bis zu 750 Millionen Euro gemutmaßt.

Quelle: http://www.abendblatt-berlin.de/2016/02/15/rummelsburger-see-bleibt-ein-giftloch/

Berliner Abendblatt, 15.02.2016, Autor: Stefan Bartylla

Avatar

Ein Beitrag der BVV-Fraktion von Bündnis 90/Die Grünen Berlin Lichtenberg

Verwandte Artikel