Wenn ein See baden geht… Grüne fordern konkrete Maßnahmen für den giftigen Rummelsburger See

Seit Jahren versucht Bündnis90/Die Grünen den Berliner Senat, Bezirksamt, Bürgerinnen und Bürger sowie die unterschiedlichsten Interessengruppen rund um den Rummelsburger See auf die Schadstoffbelastung des Sees aufmerksam zu machen. „Jetzt sind unsere Zweifel, für die wir jahrelang belächelt wurden, bitterer Ernst geworden“, sagt Camilla Schuler, Fraktionsvorsitzende der grünen Fraktion Lichtenberg. „Der See befindet sich in einem kritischen Zustand und eine Studie bestätigt, dass insbesondere Fahrgastschiffe dazu führen diesen Zustand eher noch zu verschlechtern.“

Vor dem Hintergrund der kürzlich veröffentlichten „RuBuS-Studie“ zur aktuellen Schadstoffbelastung der Seesedimente in der Rummelsburger Bucht fordert die Fraktion Bündnis 90/Die Grünen Lichtenberg nun endlich konkrete Maßnahmen einzuleiten, um die nachgewiesenen Schadstoffe und belasteten Sedimente im See nicht noch weiter zu verteilen. Die Grünen fordern ein Moratorium für neue Steganlagen bis zur endgültigen Fertigstellung eines neuen See- und Uferkonzeptes, ein Verbot für Fahrgastschiffe und ein totales Ankerverbot auf dem See.

„Der schwer belastete Seeboden wird immer wieder durch Fahrgastschiffe aufgewirbelt und die belasteten Sedimente verteilt. So kann keine unbelastete Sedimentauflage entstehen. Die Fahrgastschiffe sollten daher von See verschwinden, neue Steganlagen nicht genehmigt werden, damit durch ihren Bau und das Ankern von Schiffen nicht weiterer Seeboden aufgewirbelt wird. Auch sollte das Land Berlin endlich darüber nachdenken den See vom Bund zu erwerben und so den Zustand als Bundeswasserstraße zu beenden, der nicht notwendig ist. Bisher war der Senat dazu nicht bereit“, so Sascha Clucas, umweltpolitischer Sprecher der grünen Fraktion und Mitglied des Runden Tisches Rummelsburger See.

Camilla Schuler, Fraktionsvorsitzende, ergänzt: „Wir vermissen seit Jahren bei den Zuständigen eine Idee und ein Konzept, wie der See wieder zu seinem ursprünglichen Zustand zurückkehren kann. Man muss ja nicht gleich morgen baden können, aber wie das gelingen kann, sollte man schon wissen. Die Fakten müssen deshalb endlich auf den Tisch: Was würde eine Komplettsanierung kosten, welche Möglichkeiten ergeben sich durch schadstoffziehende Pflanzen? Alle Menschen haben das Recht auf ein unbelastetes Naherholungs- und Wohngebiet und wir werden uns weiter für ein ökologisches Gleichgewicht des Rummelsburger Sees konsequent einsetzen. Im Interesse der Gesundheit kann nur dringend davor gewarnt werden, im Rummelsburger See baden zu gehen! So schön er aussieht, die Gefahr ist nicht zu unterschätzen.“

Hintergrund
Der Rummelsburger See ist durch die ehemals angrenzenden Industrien seit den 1880er Jahren über fast ein Jahrhundert durch deren Abfälle kontaminiert und der Seeboden stark belastet worden. Mittlerweile hat sich das Gebiet rund um die Bucht vollständig gewandelt: Statt Industrie wohnen in den Wohngebieten „Rummelsburger Bucht“ und auf der Halbinsel Stralau nun ca. 8000 Menschen. Zwischen 1999 und 2001 fand eine Teilsanierung des Sees statt, bei der die Bucht auch von Sprengstoffgegenständen aus der Zeit des zweiten Weltkriegs gesäubert wurde. Zudem soll seitdem eine Spundwand verhindern, dass Schadstoffe und belastete Sedimente in die Spree gelangen.

Eine Studie der FU Berlin („RuBuS-Studie“) weist nun nach, dass die Seesedimente noch immer hoch und flächenhaft mit Schwermetallen und Schadstoffen belastet sind. Die Grenzwerte von Blei, Cadmium, Kupfer, Zinn und Quecksilber werden flächendeckend überschritten (z.T. bis zum sechsfachen), toxische Effekte werden erwartet. Zu deutsch: Der Rummelsburger See ist giftig! Vor allem der Nord-Westeil des Sees ist davon betroffen. Die belasteten Seesedimente werden u.a. durch Schiffe immer wieder aufgewirbelt, so dass sich keine unbelastete Sedimentauflage auf der Belasteten bilden kann.

Bündnis 90/Die Grünen Lichtenberg fordert seit Jahren verstärkte Anstrengungen und Konzepte, wie der Rummelsburger See langfristig wieder zu einem ökologisch ausgeglichenen Zustand gelangt und auch für den Menschen wieder als Badegewässer zur Verfügung steht. 2014 wurde ein Antrag für eine Ausweisung des Sees als Landschaftschutzgebiet in der Bezirksverordnetenversammlung in Lichtenberg gestellt. Im Dezember 2015 wurde ein Antrag eingereicht, der vorsieht, vorerst keine weiteren Steganlagen auf der Lichtenberger Seite des Sees zu genehmigen.

Die RuBuS-Studie finden Sie hier: http://www.stadtentwicklung.berlin.de/umwelt/wasser/rummelsburger_see/index.shtml

Ein Beitrag der BVV-Fraktion von Bündnis 90/Die Grünen Berlin Lichtenberg

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