Umweltgift im kühlen Nass

Berliner Abendblatt, 19.10.2014, Autorin: Nabila Lalee

Im Rummelsburger See schlummert eine giftige Altlast. Auf dem Grund hat sich eine bis zu sechs Meter dicke Schlammschicht aus Schwermetallen, Mineralkohlenwasserstoffen und anderen organischen Schadstoffen abgesetzt. Baden ist hier gesundheitsgefährdend. Eine Folge aus Jahrzehnten industrieller Nutzung und fragwürdigen Entsorgungspraktiken. Durch Schiffe wird der Schlamm immer wieder aufgewirbelt und verteilt sich so auf der ganzen Wasserfläche. Doch nun fordern die Grünen aus dem ehemaligen Industrie-See ein Naherholungs- und Landschaftsschutzgebiet zu machen. Dafür haben Fraktionsmitglieder aus den Bezirken Lichtenberg, Friedrichshain-Kreuzberg und Mitte einen Antrag bei der vergangenen Landesdelegiertenkonferenz im September eingereicht. Das Ziel ist eine ökologische Sanierung, um das Baden im Rummelsburger See wieder möglich zu machen.

Langer Prozess

Das Gewässer zum Badesee für alle zu machen wird viel Zeit in Anspruch nehmen. „Wir sprechen von einem Prozess, der sich über mehrere Jahre hinweg ziehen kann“, sagt Silke Gebel, Grünen-Politikerin im Abgeordnetenhaus. Eine ökologische Sanierung würde nicht nur die Reinigung des Wassers bedeuten, es soll auch verhindert werden, dass der See mit neuen Schadstoffen belastet wird, die zum großen Teil durch das Regenwasser in den See gelangen. Das könnte verhindert werden, indem das Regenwasser aufgefangen und gereinigt wird, bevor es in den See fließt. Bisher wird das Regenwasser vom Norden des Bezirks über die Viktoriastadt über den sogenannten Ruschegraben in den See geleitet. Und weil das Regenwasser aus dem Ruschegraben eine der Hauptbelastungen für den See ist, wird schon seit Jahren eine Filteranlage für das Becken gefordert. Dafür hat der Bezirk nun die Sportanlage in der der Georg-Löwenstein-Straße ins Auge gefasst. „Für die Anwohner ist es aber die einzige Sportanlage in näherer Umgebung“, sagt Silke Gebel und fordert den Bezirk dazu auf, sich nach einem anderen Grundstück umzuschauen.

Eine Möglichkeit wäre auch, das anfallende Wasser vor Ort zu bewirtschaften, durch Fassaden- oder Dachbegrünung, andere Verdunstungsräume sowie durch kleinteilige Reinigungsanlagen für das abfließende Regenwasser. Außerdem soll für den See ein Nutzungskonzept entwickelt werden, welches Bewohnern und Wassersportlern entgegenkommt, gleichzeitig aber das ökologische Gleichgewicht nicht gefährdet. „Aus dem alten Industriegebiet ist ein Viertel geworden, was noch seine Kiezstruktur sucht, aber mit neuen Cafés und einer abenteuerlichen Kletterhalle auf einem tollen, bunten Weg ist“, so Silke Gebel. Auf dem Wasser tummeln sich Kajaks, Ruderboote, Ausflugs- und Segelschiffe. Der Rummelsburger See verleiht diesem Kiez seinen einzigartigen Charakter.

Quelle: http://www.abendblatt-berlin.de/2014/10/19/umweltgift-im-kuehlen-nass/

Ein Beitrag der BVV-Fraktion von Bündnis 90/Die Grünen Berlin Lichtenberg

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