gegen A 100

(Keine) Vorfahrt für Kiezleben? Veranstaltung zu den Folgen der A 100 für den Kaskelkiez

Am Mittwoch, den 14. September luden die Lichtenberger Grünen zum Diskussionsabend mit Harald Moritz (MdA und Verkehrspolitischer Sprecher) und Dr. Hannah Neumann (Direktkandidatin für Bündnis 90/Die Grünen Berlin Lichtenberg) ins Café JelängerJelieber ein. Diskutiert wurde über die A100, ihre Erweiterung und die Auswirkungen auf Lichtenberg und die benachbarten Bezirke.

Mit einen detaillierten Vortrag über die Planung und die Umsetzung der Stadtautobahn, machte Harald Moritz auf die verkehrlichen und städtebaulichen Probleme des Projekts  aufmerksam. Der Ursprungsgedanke zum Autobahnring stamme bereits aus den 1930er Jahren, wurde dann kriegsbedingt nicht weiterverfolgt. In den 1950ern sei der Gedanke der Stadtumrundung wieder aufgekommen, allerdings sei durch die Ost-West Teilung der Stadt kein Weiterbau möglich gewesen. Nach der Wende galt der Stadtring als neues Wiedervereinigungsprojekt, was dazu führte, dass die aus dem Jahr 1996 stammende Planung inklusive der Linienbestimmung im Wesentlichen heute noch gültig ist, aber keine Antworten für eine nachhaltige Verkehrs- und Stadtentwicklungspolitik bietet.

Die prognostizierten Verkehrsmengen, die den geplanten einen Kilometer langen Doppelstocktunnel zwischen Frankfurter Allee und Ostkreuz aufnehmen sollen, sind so hoch, dass sie bei Einhaltung der gültigen Richtlinien zum Betrieb von Tunneln zu langen Staus in der Frankfurter Allee führen werden.  Ein Verkehrschaos sei somit zu erwarten und die erhoffte Verkehrsentlastung bleibe aus. Ein weiteres Problem bilde die direkte Anbindung der A100 an die Frankfurter Allee. Dies sei aus bautechnischen Gründen nicht möglich, deshalb ist in Richtung Süden nur ein Halbanschluss über die Gürtelstraße geplant. Den nördlichen Halbanschluss der A100 soll die Storkower Straße bilden.  Moritz wies in diesem Fall darauf hin, dass viele Autofahrer*innen deswegen Schleichwege durch die umliegenden Kieze nutzen, unter anderem den Kasklekiez.

Im Allgemeinen seien die Auswirkungen für Natur, Bevölkerung und Bezirk nicht ermittelt worden. Es sei durchaus möglich, dass Wohnhäuser abgerissen werden oder Bewohner*innen während bestimmter Baumaßnahmen ihre Häuser verlassen müssten. Auch die damals erforschten Abgaswerte seien seit der Aufdeckung des Dieselskandals nicht mehr aktuell, bzw. deutlich höher als ursprünglich eingeplant.

Hannah Neumann machte noch einmal deutlich, dass sich die Lichtenberger Grünen weiterhin für einen Stopp des Weiterbaus der A100 engagieren. Das gälte nicht nur für die Landes- sondern auch für die Bundesebene, wo der 17. Bauabschnitt nach wie vor in Planung sei.

Das Publikum erkundigte sich über mögliche Alternativen zur A100 und wie eine Verkehrskonzept aussehen könnte, dass Bürger*innen davon überzeuge die Erweiterung des Stadtautobahnrings abzulehnen. Harald Moritz fordert hier den notwendigen Ausbau von öffentlichen Verkehrsmitteln, Fahrradwegen und Fußwegen. Diese Alternative wäre deutlich kostengünstiger und nachhaltiger als die Erweiterung der A100. Ein Termin für den Bau und die Fertigstellung des Teilabschnitts 17 stehe noch nicht fest, da es für diesen Abschnitt kein Baurecht gibt und die Rot-Rot-Grüne Landesregierung das Projekt momentan nicht weiterverfolge. Sollte die Planung von der ab 2021 tätig werdenden Infrastrukturgesellschaft des Bundes aufgenommen werden, hält Moritz eine Eröffung vor 2035 nicht für realistisch.

Dennoch sei es heute wichtig,  ein deutliches Zeichen gegen die Erweiterung der Stadtautobahn zu setzten. Dies sei vor allem durch Wahl der Grünen möglich.

Ein herzliches Dankschön geht an Harald Moritz und das Café JelängerJelieber.

 

Kreisverband Lichtenberg von Bündnis 90/Die Grünen

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