Besuch des TagesTreffs für Wohnungslose

Berlin im Winter. Es ist nicht nur grau, sondern auch kalt. Manchmal eiskalt. Die meisten Menschen sind tagsüber auf der Arbeit oder zuhause. Irgendwo drinnen, in die Kälte müssen sie meist nur kurz. Aber was machen wohnungslose Menschen? Sie haben es natürlich das ganze Jahr über schwer, aber im Winter ist es noch mal härter. Den ganzen Tag bei Wind und Wetter auf einer Bank vor dem Bahnhof Lichtenberg sitzen? Das macht krank: körperlich und seelisch.

Zusammen mit Stefan Taschner (MdA) haben wir am 24. Januar den TagesTreff für Wohnungslose in der Weitlingstraße 11 besucht. Hier können wohnungslose Menschen warme Mahlzeiten, neue Bekleidung, eine Fußpflege oder (zahn-)ärztliche Behandlung bekommen. Im Keller gibt es eine Dusche und Waschmaschinen. Erste Hilfe also, um sich nach Tagen auf der Straße wieder ein wenig wie ein Mensch zu fühlen. Dank einer neuen Sozialarbeiterin ist in Zukunft auch eine engere Betreuung und Begleitung der Menschen möglich.

Hier wird wichtige Arbeit geleistet, die hart ist. Geld ist eigentlich immer knapp. Zwar kann der Humanistische Verband e.V. das Gebäude mietfrei nutzen, muss aber für den Unterhalt des Hauses aufkommen. Geht etwas kaputt, wie im letzten Jahr das Dach, muss der Verband als Träger des Projekts für die Reparatur aufkommen. Im Fall des Dachs war das einfach zu viel. Die Bezirksverordnetenversammlung hatte deshalb beschlossen, dass der Bezirk bei der Dachreparatur hilft. Passiert ist bisher nichts. Wir finden, dass das Bezirksamt Beschlüsse der Bezirksverordnetenversammlung umsetzen muss. Wir fragen deshalb beim Bezirksamt nach, wann das Dach des TagesTreffs repariert wird.

Trotz der schwierigen finanziellen Lage haben wir auch Hoffnung verspürt. Unter dem rot-rot-grünen Senat bekommt das Thema Wohnungslosenhilfe eine höhere Bedeutung. Dadurch wird in diesem Bereich auch mehr Geld ausgegeben. Jetzt ist es wichtig, gemeinsam mit den Verbänden zu gucken, dass das Geld auch sinnvoll ausgegeben wird. Auf den ersten Blick tolle Ideen, werden von den Fachleuten kritischer gesehen. Dieses Feedback braucht die Politik. Nur mit Leuten, die in der Wohnungslosenhilfe arbeiten, können wir gute Lösungen entwickeln.

Das beste ist natürlich eine eigene Wohnung. Aber die Entwicklungen der letzten Jahre auf dem Wohnungsmarkt verschärfen die Probleme. Während früher innerhalb von wenigen Monaten eine Wohnung für einen wohnungslosen Menschen gefunden wurde, braucht es heute oft bis zu zwei Jahre. Der Besuch macht deutlich: Wir brauchen mehr günstige Wohnungen, nicht nur, um den Mietpreisanstieg zu bremsen, sondern auch, damit einige Menschen überhaupt die Chance auf eine Wohnung haben.

Wer Platz in seinem Kleiderschrank schaffen möchte, Sach- oder Geldspenden geben möchte, kann einfach in den TagesTreff kommen. Wir haben das auch getan und für unseren Besuch mehrere Tüten mit allerlei Leckerem und Nützlichem da gelassen. Wichtig ist aber: Wenn Rot-Rot-Grün gut arbeitet und auch Rückendeckung aus der Stadtgesellschaft bekommt, dann sind in ein paar Jahren vielleicht schon weniger Menschen auf Einrichtungen wie den TagesTreff angewiesen. Und das wäre uns ganz Recht, denn auf der Straße geht meist eines verloren – die Würde des Menschen.

Kreisverband Lichtenberg von Bündnis 90/Die Grünen

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