7. Erschwingliches Wohnen und grünes Leben: Ökologische Stadtentwicklung

Veränderung gehört zum Leben dazu, insbesondere in unserer wachsenden Stadt. Aber es ist inakzeptabel, dass sich Menschen in großer Zahl Sorgen um ihre Zukunft in ihrem Kiez machen müssen. Wir fordern eine Stadtentwicklungspolitik, die die Unterschiedlichkeit der Bewohner*innen Lichtenbergs mitdenkt.

Milieuschutz gehört zu einem wachsenden Lichtenberg

In Gebieten, die von Verdrängungsentwicklungen betroffen sind, betrieben wir mit den Erhaltungsverordnungen aktiv Mieterschutz. Dazu gehören je nach Sachlage die Ausweisung sogenannter Milieuschutzgebiete und der Erlass einer Umstrukturierungsverordnung oder einer städtebaulichen Erhaltungssatzung. Der Milieuschutz ist für den Weitlingkiez wichtig. Eine städtebauliche Erhaltungssatzung halten wir im Fennpfuhl für sinnvoll.

Das Lichtenberger Bündnis für Wohnen muss neu aufgelegt werden. Dabei ist darauf zu achten, dass die Verpflichtung der beteiligten Akteure der Wohnungswirtschaft zur Schaffung von Wohnraum mit ALG-II-fähigen Mieten von 10% auf 15% erhöht wird.

Beim Verkauf von öffentlichen Flächen zwecks Bebauung soll der Bezirk auf eine Bauverpflichtung drängen. So kann die Spekulation mit Bauland verhindert werden und die öffentliche Hand die Möglichkeit bekommen Grundstücke zurückzukaufen.

Wohnen, arbeiten und erholen im gleichen Kiez

Wir weisen verstärkt Mischgebiete aus, um Wohnen und Arbeiten näher zusammenzubringen. Kurze Wege zur Arbeit sind familienfreundlich, weil sie Zeit sparen. Außerdem können sie gesundheitsfördernd und klimafreundlich mit dem Fahrrad zurückgelegt werden. Von der Vermeidung schädlicher Emissionen durch konventionellen Autoverkehr profitieren alle.

Wir prüfen die Umwandlung bestehender Gewerbegebiete zu Mischgebieten, um neue Flächen für Wohnungsbau zu erschließen. Im Gewerbegebiet Herzbergstraße könnten so neue Wohnungen in zentraler Lage entstehen und die Attraktivität des Gebiets gesteigert werden. Diese Umwandlung muss jedoch behutsam umgesetzt werden, so dass bestehende Gewerbe- und Industriebetriebe nicht verdrängt werden.

Ein grünes Zentrum für Hohenschönhausen

Das Gebiet um den Bahnhof Hohenschönhausen soll als Zentrum des Ortsteils entwickelt werden. Dazu gehört für uns ein Mix aus Wohnungen, kleinteiligem Handel und Dienstleistung, kulturelle und öffentliche Einrichtungen, sowie attraktive Platzgestaltung mit hoher Aufenthaltsqualität. Der öffentliche Raum muss adäquate und vielfältige Möglichkeiten zur Freizeit- und Erholungsgestaltung bieten.

Die beiden Standorte der bezirklichen Gartenarbeitsschule wollen wir zu Zentren für Stadtnatur weiterentwickeln und für alle Menschen öffnen. Aktuelle Themen wie Urban Gardening oder Urban Farming müssen von der Gartenarbeitsschule aufgegriffen und aktiv in den Bezirk getragen werden. Für Lichtenberger*innen, die Natur in ihren Kiez bringen wollen, müssen die Zentren für Stadtnatur erste kompetente Ansprechpartner sein. Die Weiterentwicklung muss finanziell und personell gesichert werden.

Bauen für alle Generationen und mit Bürger*innenbeteiligung

Öffentliche Gebäude lassen wir zukünftig so bauen, dass sie barrierefrei und flexibel nutzbar sind. Sie müssen so gebaut werden, dass wir sie den sich ändernden gesellschaftlichen Anforderungen anpassen können. Beispielsweise können wir „mitwachsende Gebäude“ so errichten, dass später Geschosse hinzugefügt oder die Raumaufteilung mit relativ wenig Aufwand verändert werden kann. So kann eine KITA in eine Jugendfreizeiteinrichtung umgewandelt werden. Oder in einem Gebiet mit rückläufigen Schüler*innenzahlen werden Teile einer Grundschule als Tagespflegestation für Senior*innen genutzt. Hierbei kann eine gemeinsam genutzte Mensa ein Begegnungsort zwischen Jung und Alt werden.

Für Gebiete ohne Bebauungsplan wollen wir diesen aufstellen. Nur dadurch erhält der Bezirk die Möglichkeit die Art und das Maß der Nutzung zu definieren. Bürger*innen erhalten so die Möglichkeit in einem gesetzlich vorgesehenem Beteiligungsverfahren über Geschosshöhen, Geschossflächen oder den Anteil von wohnortnahen Grünflächen mitzubestimmen und ökologische Aspekte stärker zu diskutieren. Bürger*innenbeteiligung muss dabei über reine Informationsveranstaltungen des Bezirksamtes hinausgehen. Auch für Investoren bietet ein Bebauungsplan mehr rechtliche Sicherheit und führt zu einer verlässlichen Planungsgrundlage.

Begrünte Dächer und Fassaden für Klima und Erholung

Neue Stadtquartiere entwickeln und bauen wir ökologisch. Dazu gehört die frühzeitige Erschließung des Gebiets durch Busse und Bahnen und wenn möglich die Verpflichtung von Investoren zum Bau klimafreundlicher Gebäude.

Wir möchten vorhandene Möglichkeiten ausschöpfen durch höheres, der Umgebung angepasstes Bauen mehr Platz für Grünflächen zu schaffen. Der Flächenverbrauch durch Bebauung muss in einem angemessenem Verhältnis zur Größe der geschaffenen Wohnfläche stehen.

Dächer können zur Begrünung, zum Speichern von Regenwasser, zur Energiegewinnung oder als grüne Erholungsflächen genutzt werden. Mit einem bezirklichen Dächerprogramm wollen wir das Potential dieser bisher wenig genutzten Flächen heben. Der Bezirk soll zusammen mit Akteuren der Wohnungs- und Wasserwirtschaft, Umwelt- und Mieterverbänden sowie den Gewerbetreibenden Möglichkeiten zur Dachnutzung prüfen und in einem Konzept festhalten. Je nach statischen Voraussetzungen können unterschiedliche Nutzungen realisiert werden. Denkbar wäre die Nutzung des Daches eines Baumarktes als Sportplatz, das Aufstellen von Hochbeeten zum urbanen Gärtnern der Hausgemeinschaft oder die Installation von Photovoltaikanlagen auf Schuldächern. Wir halten eine Förderung von Projekten mit gesamtgesellschaftlichem Mehrwert durch den Bezirk für sinnvoll.

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Kreisverband Lichtenberg von Bündnis 90/Die Grünen

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