28.06.2012 Quartier „An der Mole“ – Ökologische Klimasiedlung

Die Bezirksverordnetenversammlung wolle beschließen:

Das Bezirksamt wird ersucht gegenüber der Senatsverwaltung rsp. dem Liegenschaftsfonds dahingehend tätig zu werden, dass bei der zur Vermarktung vorgesehenen, zurzeit noch landeseigenen Grundstücke im Bebauungsplangebiet „Ostkreuz“ in den Ausschreibungen und Kaufverträgen Bedingungen vorgesehen werden, die sicherstellen, dass die zu errichtenden Gebäude mindestens dem Passivhaus-Energiestandard entsprechen sowie Dach- und Fassadenflächen im ökologisch sinnvollen Rahmen zur Erzeugung erneuerbarer Energien (Photovoltaik-Anlagen/Solarthermie) und zur Dach- und Fassadenbegrünung vorgesehen werden. Grundlage der Vermarktung soll ein vorheriger Konzeptwettbewerb sein. Es soll ein möglichst hoher Verkaufserlös der im Eigentum des Landes Berlin stehenden Grundstücke erfolgen unter den Prämissen des ersten Satzes.

Das Bezirksamt wird ersucht:

  • bei der Wegegestaltung im Uferbereich des Rummelsburger Sees ökologische Kriterien zu berücksichtigen und die Wege wasserdurchlässig auszuführen. Bei der Führung des Uferweges soll die Fläche für Radverkehr separat ausgewiesen werden. Auf Versiegelung soll weitestgehend verzichtet werden.
  • das im B-Plan-Gebiet befindliche Naturdenkmal (Platane) zu erhalten und dieses in angemessener Weise in das Ensemble zu integrieren. Hierbei soll geprüft werden, ob sie Teil des künftigen benachbarten Kita-Außengeländes werden kann.
  • an geeigneter Stelle Festlegungen zu treffen mit dem Ziel bei der Beleuchtung des Uferweges eine übermäßige Lichtverschmutzung zu vermeiden und stattdessen etwa eine modellhafte, nutzergesteuerte Licht-Installation zu ermöglichen.
  • zu untersuchen, inwieweit es möglich ist am Ufer des Rummelsburger Sees im und am Wasseranschluss des B-Plan-Gebietes „Ostkreuz“ einen Schilfgürtel anzupflanzen und diesen zu realisieren. Ein solcher Schilfgürtel soll im Zuge der Gestaltung auf einer großen Länge realisiert werden.

 

Begründung:

Nachhaltiger Städtebau

Die Entwicklung des beschriebenen Gebietes schließt die städtebauliche Entwicklung der  städtebaulichen Entwicklungsmaßnahme „Berlin-Rummelsburger Bucht“ ab.

Die einzigartige Lage und der außergewöhnlich bedeutende Stellenwert der Rummelsburger Bucht als innerstädtisches, zentral gelegenes Naherholungsgebiet mit breiter und überbezirklicher Frequentierung durch Menschen, die hier wohnen oder Erholung suchen, machen eine behutsame, schonende und die natürlichen Ressourcen erhaltende Bebauung der restlichen Brachflächen unabdingbar. Die weitere Bebauung wird für Jahrzehnte das Stadtbild prägen. Eine nachhaltige städtebauliche Entwicklung muss deshalb unbedingten Vorrang vor dem Bestreben einer maximierten Erzielung von Einnahmen haben.

 

Bürgerorientierung und Glaubwürdigkeit

Rund um das Entwicklungs- und Planungsgebiet gibt es seit geraumer Zeit eine rege Diskussion innerhalb der organisierten und nichtorganisierten Bürgerschaft. Das Netzwerk „Initiativen rund um das Ostkreuz“, der Kiezbeirat Rummelsburg u. a. bringen sich engagiert in diese Diskussionen ein, aber auch in der nichtorganisierten Bürgerschaft ist das Interesse an der Entwicklung des Gebietes enorm. Im Rahmen einer Einwohnerversammlung des o. g. Netzwerkes beteiligten sich 223 Personen an einer entsprechenden Umfrage, was u. a. dieses Interesse deutlich dokumentiert.

Der vorliegende Antrag greift in seinen Grundtendenzen wesentliche, aus Sicht der Autoren gut begründete und nachvollziehbare Anliegen der Bürgerschaft auf. Der ernsthafte Umgang damit stärkt die Glaubwürdigkeit in Sachen Bürgerbeteiligung von Parteien, Bezirksamt und Senat!

 

Klimagerecht bauen

Der voranschreitende Klimawandel führt gerade in Städten zu deutlich höheren Sommertemperaturen, die auch nachts nicht mehr stark genug sinken, da Straßen und Gebäude die tagsüber gespeicherte Wärme wieder abgeben. Dem entgegenwirken können die Begrünung von Dach- und Fassadenflächen, große Grünflächen und eine Minimierung der Versiegelung von Verkehrsflächen, da auf versiegelten Flächen keine kühlende Wasserverdunstung stattfindet.

Um die Klimaerwärmung aufzuhalten sind gerade im Neubau existierende und erprobte Technologien einzusetzen, die den Wärme- und Strombedarf auf ein Minimum reduzieren. Dies ist nicht nur ökologisch sondern auch ökonomisch sinnvoll, da steigende Energiekosten mittelfristig teurer sind als die höheren anfänglichen Investitionskosten der Gebäude. Darüber hinaus wird durch die sehr konstante Innentemperatur in Passivhäusern ein sehr gutes Raumklima möglich (im Sommer kühl, im Winter warm), dass den Wert der Immobilien steigert.

Durch Lüftungsanlagen ist auch das Öffnen von Fenstern zur Straßenseite nicht nötig, wodurch die Lärmbelastung gerade an der nördlichen und westlichen Seite des Baugebietes in Innenräumen gesenkt werden kann. Somit wird hierdurch auch mehr Wohnraum statt Gewerbeflächen ermöglicht.

 

Lichtverschmutzung minimieren

Die Lichtverschmutzung durch Straßenlaternen und Elektrisches Licht in Gebäuden hat nicht nur gravierende Auswirkungen auf die Tierwelt, sondern auch auf den Menschen, da der natürliche Unterschied zwischen Tag und Nacht zusehend schwindet und der natürliche (Bio-) Rhythmus aus dem Gleichgewicht gerät.

Daher ist bei jeglicher Beleuchtung darauf zu achten, dass diese nicht unnötig zur Seite und nach Oben in den Nachthimmel abstrahlt und auch nur Licht abgibt, wenn dieses benötigt wird. Neben der geringeren Lichtverschmutzung lassen sich somit auch die Energiekosten einsparen.

Ergänzende Themenstellungen in diesem Zusammenhang werden in den weiteren Anträgen „Quartier ‚An der Mole’ – B-Plan XVII-4 „Ostkreuz“ modifizieren“ und „Quartier ‚An der Mole’ – Sozialverträgliches Wohnen ermöglichen“ behandelt.

 

Begründung der Dringlichkeit:

Das B-Plan-Verfahren soll zügig zum Abschluss gebracht werden. Spätestens im September 2012 soll laut Auskunft des Bezirksamtes in den nächsten Verfahrensschritt „Erneute Beteiligung der Behörden und sonstiger Träger öffentlicher Belange“ eingetreten werden. Die Positionierung der BVV soll, nach vorheriger Beratung in den entsprechenden Ausschüssen, im weiteren Verfahren Berücksichtung finden.

Stand der Umsetzung: http://www.berlin.de/ba-lichtenberg/politik-und-verwaltung/bezirksverordnetenversammlung/online/vo020.asp?VOLFDNR=5006

Ein Beitrag der BVV-Fraktion von Bündnis 90/Die Grünen Berlin Lichtenberg

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