20.09.2012 Mehr Zusammenarbeit, mehr Integration

Die Bezirksverordnetenversammlung wolle beschließen:

Das Bezirksamt wird ersucht zu prüfen, ob das Einrichten weiterer interkultureller Gärten oder ähnlicher integrativer Einrichtungen in Lichtenberg möglich ist. Insbesondere soll geprüft werden, ob diese in der Nähe der Erstaufnahmeeinrichtung für asylsuchende Menschen und der Wohnheime für anerkannte Flüchtlinge im Bezirk möglich ist. Neben der Prüfung der vorhandenen Flächen wird das Bezirksamt ersucht zu erläutern, in welcher Form die Trägerschaft erfolgen kann und mit welchen Kosten das Einrichten verbunden wäre.

Zudem wird das Bezirksamt ersucht zu prüfen, ob und in welcher Form eine Zusammenarbeit der o. g. Einrichtungen mit dem Rat für Migrant_innenangelegenheiten, weiteren Gremien/Vereinen der Menschen mit Migrationshintergrund in unserem Bezirk, der Beauftragten für Integration und den bestehenden interkulturellen Gärten möglich ist.

 

Begründung:

Dem Netzwerk Interkulturelle Gärten gehören derzeit 135 Gärten in allen 16 Bundesländern an. Davon befinden sich 24 in Berlin. Weitere 75 Projekte befinden sich in Planung (Stand: August 2012). Interkulturelle Gärten haben die Aufgabe Asylsuchende, Migrant_innen und die bereits im Stadtteil ansässigen Bürger_innen in Kontakt miteinander zu bringen und fördern so die Verständigung und das Zusammenleben untereinander. Des Weiteren wird auch die Integration von Migrant_innen gefördert. Das Einrichten eines interkulturellen Gartens in der Nähe der Erstaufnahmeeinrichtung für Asylsuchende in Lichtenberg würde allen Anwohner_innen die Möglichkeit geben sich besser kennen zu lernen und bestehende Vorurteile abzubauen.

Erfahrungen zeigen, dass viele ansässige Bewohner_innen Vorbehalte gegen die Einrichtung einer Unterkunft für Asylsuchende in ihrer Nachbarschaft haben. Beispielhaft ist der Protest Leipziger Bürger_innen im Juni dieses Jahres gegen das Vorhaben ihrer Kommune Asylbewerber_innen in Mietshäuser im Besitz der Stadt oder des kommunalen Wohnungsunternehmens LWB unterzubringen (siehe Artikel „Streit um Asylbewerberheime in Leipzig“ aus der Mitteldeutschen Zeitung vom 01.07.12). Andere Erfahrungen zeigen aber auch, dass Vorurteile schnell abgebaut werden, sobald vorher ansässige Bürger_innen und neu zugezogene Asylsuchende miteinander in Kontakt treten.

Die Interaktion der Gärtner_innen zu ihrem Umfeld ergibt sich quasi automatisch. Liegt ein Garten neben einer Schule, ist es nahe liegend mit den Kindern ein Projekt zu starten, liegt der Garten neben einem Altenwohnheim, kann man die Bewohner_innen zu einem Tee einladen. Dieser Austausch führt dazu, dass die Gärtner_innen ihr Umfeld mit neuen Augen zu sehen beginnen. Sie sind plötzlich in der Rolle von aktiven Gestalter_innen ihres sozialen Wohnumfeldes, mit welchem sie sich nun viel stärker identifizieren (siehe Broschüre „Interkulturelle Gärten – StadtLandschaften der Migrationsgesellschaft“ der Stiftung Interkultur).

Davon profitieren nicht nur die Einzelnen, sondern der ganze Bezirk. Dieser lebt von aktiven und kreativen Bewohner_innen, welche sich ihren Stadtteil aneignen und aufwerten.

Stand der Umsetzung: http://www.berlin.de/ba-lichtenberg/politik-und-verwaltung/bezirksverordnetenversammlung/online/vo020.asp?VOLFDNR=5082

Ein Beitrag der BVV-Fraktion von Bündnis 90/Die Grünen Berlin Lichtenberg

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