19.01.2012 Massentierhaltung beenden – verantwortungsvolle Beschaffung in Lichtenberg!

Die Bezirksverordnetenversammlung wolle beschließen:

Das Bezirksamt wird ersucht

  • sich sowohl bei den Kitas in Freier Trägerschaft, als auch beim Kitaeigenbetrieb Nordost dafür einzusetzen, dass tierische Produkte, die im Catering zum Einsatz kommen, aus artgerechter Haltung, mindestens gemäß Tierschutzgesetz § 2, stammen,
  • bei der nächsten Ausschreibung des Schulessens dafür Sorge zu tragen, dass nur noch tierische Produkte aus artgerechter Haltung, mindestens gemäß Tierschutzgesetz § 2, für die Zubereitung von Speisen verwendet werden und
  • in einem ersten Schritt dafür Sorge zu tragen, dass die Herkunft (Produktionsbetrieb) tierischer Produkte in vorgenannten Einrichtungen Lichtenbergs rsp. deren Caterern nachvollziehbar dokumentiert wird.

 

Begründung:

In Deutschland wird noch immer die Massentierhaltung ausgebaut, mit zum Teil dramatischen Folgen für die Tiere, die Gesundheit der Menschen, die weltweite Nahrungsmittelversorgung und den Klimawandel.

Massentierhaltung basiert auf großem Leid und Schmerzen für die Tiere. Schweinen werden, damit sie sich in ihrer Enge nicht gegenseitig die Schwänze an- oder auffressen, häufig ohne Betäubung die Schwänze kupiert; Hühnern werden die Kämme beschnitten, was lang anhaltende und starke Schmerzen verursacht. Durch die Massentierhaltung werden Tiere verdinglicht, als Industrieprodukt betrachtet, das schnell und möglichst günstig produziert und konsumiert werden soll.

Neben diesen grundsätzlichen tierrechtlichen Erwägungen hat der Konsum von Fleisch solcher Herkunft überdies auch massive Auswirkungen auf die Gesundheit der Menschen. So entstehen zum Beispiel durch massiven Einsatz von Antibiotika in der Tiermast multiresistente Keime. Beim Menschen können diese Keime dazu führen, dass bei Erkrankungen notwendige Antibiotika keine oder nur unzureichende Wirkungen entfalten. Jährlich sterben allein in Deutschland mehr als 15.000 Menschen wegen dieser Keime.

Durch den Import von Futtermitteln benötigt die EU ca. 20 Millionen Hektar Ackerflächen außerhalb Europas, die dadurch für die Produktion von Nahrungsmitteln für die Bevölkerung dieser Länder nicht mehr zur Verfügung stehen. Diese Fläche entspricht in der Größenordnung der gesamten landwirtschaftlich genutzten Fläche Deutschlands.

Von immenser Tragweite ist zudem der Einfluss des Fleischkonsums auf den Klimawandel: Die Tierproduktion ist mit knapp 20 Prozent weltweit ein bedeutender Verursacher von Treibhausgasen.

Mit den vielen Einrichtungen, in denen möglicherweise Nahrungsmittel aus Massentierhaltung angeboten werden, trägt unsere Stadt als Großverbraucherin eine große Verantwortung. Durch einen Umstieg auf Produkte aus tiergerechter Haltung (z. B. Neuland oder Ökolandbau) kann Berlin helfen das Leid der Tiere zu verringern, zur gesunden und nachhaltigen Ernährung beizutragen und einen Baustein zum Klimaschutz zu leisten.

Stand der Umsetzung: http://www.berlin.de/ba-lichtenberg/politik-und-verwaltung/bezirksverordnetenversammlung/online/vo021.asp

Ein Beitrag der BVV-Fraktion von Bündnis 90/Die Grünen Berlin Lichtenberg

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