15.03.2012 Selbst kochende Kitas als Lichtenberger Prinzip

Die Bezirksverordnetenversammlung möge beschließen:

Das Bezirksamt wird ersucht beim Verkauf oder anderweitiger Überlassung von Flächen zum Bau von Kindertagesstätten und beim Bau von bezirkseigenen Kindertagestätten die Einrichtung vollständiger Küchen verpflichtend vorzusehen. Die Küchen sollen eine regionale und saisonale gesunde Ernährung der Kinder durch geschultes Personal ermöglichen. Kochen als pädagogisches Konzept sollte Bestandteil der Arbeit der Erzieherinnen und Erzieher sein.

 

Begründung:

Für eine optimale kindliche Entwicklung ist eine gute Ernährung eine wichtige Voraussetzung. In der Kindheit wird der Grundstein gelegt für die Körpersubstanz, deren Zusammensetzung bis ins hohe Alter von Bedeutung bleiben wird. Dabei hat der kindliche bzw. jugendliche Körper besondere Ansprüche an die Ernährung. Im Vergleich zu ihrem kleinen Körper müssen Kinder viel mehr essen als Große.
In den letzten 30 Jahren hat sich die Zahl der Kinder und Jugendlichen, die übergewichtig sind, um 50 % erhöht. Bei der Adipositas beobachten wir bei Jugendlichen zwischen 14 und 17 Jahren eine Verdreifachung (KIGGS-Studie, http://www.kiggs.de/studie/index.html). Wir haben also heute ca. 1,9 Millionen Kinder und Jugendliche, die übergewichtig sind, und ca. 800.000 adipöse Kinder und Jugendliche. Dies sind alarmierende Zahlen.
Alle sind aufgerufen Entscheidendes zu unternehmen, um dieser fatalen Entwicklung Einhalt zu gebieten. Dies ist nicht allein eine Aufgabe des Gesundheitswesens, hier muss die Politik die Weichen stellen und alle gesellschaftlichen Strukturen einbeziehen.
Eine frühe und nachhaltige Prävention ist von immenser Bedeutung. Nach wie vor besteht eine große Diskrepanz zwischen dem Wissen um gesunde Lebensführung und dessen Umsetzung im Alltag. Neben der Ernährung spielen natürlich Bildung, Bewegung und die finanziellen Rahmenbedingungen eine ganz entscheidende Rolle.

Der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte e. V. fordert deshalb unter anderem:

  • keine zuckerhaltigen Getränke in allen Kindertageseinrichtungen und Förderung von Trinkwasser als Durstlöscher,
  • Eltern in Kindertageseinrichtungen und Schulen in das Konzept der gesunden Ernährung einbeziehen und durch regelmäßige gemeinsame Zubereitung der Speisen schulen,
  • Gesundheitserziehung als Schulfach bereits in der Grundschule und Konzepte für Erzieher und Erzieherinnen sowie Lehrer und Lehrerinnen zur Schulung in Bewegungsförderung, gesunder Ernährung, vernetzt mit den Bildungsthemen Sprache und Entwicklung,
  • Außenflächen und Innenräume von Kindergärten und Schulen so gestalten, dass sie zu Bewegungsspielen einladen, möglichst mit gestaltbaren Elementen und Ruhebereichen,
  • erhobenen Daten zur gesundheitlichen Situation von Kindern und Jugendlichen regelmäßig auszuwerten und zur Basis gesundheitspolitischer Entscheidungen zu machen.

Stand der Umsetzung: http://www.berlin.de/ba-lichtenberg/politik-und-verwaltung/bezirksverordnetenversammlung/online/vo020.asp?VOLFDNR=4854

Ein Beitrag der BVV-Fraktion von Bündnis 90/Die Grünen Berlin Lichtenberg

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